Wenn das Dach voll ist oder zu klein, wird die Fassade zur Fläche. Building-Integrated PV liefert Strom und Optik.

Die Eigentümerin eines Bürohochhauses in der Hannoveraner Südstadt steht vor einer anstehenden Fassadensanierung. Die Bestandsfassade aus den späten 1990er-Jahren erreicht weder den heute geforderten U-Wert noch die ästhetischen Ansprüche eines Class-A-Büroobjekts. Auf dem Tisch liegen zwei Angebote für vorgehängte hinterlüftete Fassaden, dazu ein dritter, ungewöhnlicher Vorschlag: Eine bauwerkintegrierte Photovoltaik-Fassade. Wir analysieren in solchen Situationen, ob die BIPV-Variante kaufmännisch und gestalterisch tragfähig ist.
Eine BIPV-Fassade ersetzt herkömmliche Fassadenelemente durch photovoltaisch aktive Module, die zugleich Witterungsschutz, Wärmedämmung und Stromerzeuger sind. Anders als bei einer nachträglich aufgesetzten PV-Anlage werden die Module integraler Bestandteil der Gebäudehülle. Damit entfällt die Doppelinvestition in Fassade und PV, dafür steigen die Anforderungen an Gestaltung, Bauphysik und Brandschutz spürbar.
Für Gewerbeobjekte in Hannover und Niedersachsen rechnet sich BIPV überall dort, wo eine ohnehin geplante Fassaden-Maßnahme ansteht und die Eigentümer eine sichtbare ESG-Aussage anstreben. Reine Nachrüstungen auf bestehenden Bestandsfassaden sind technisch möglich, kaufmännisch aber selten konkurrenzfähig zu einer Aufdachanlage oder einem Solarcarport auf dem Parkdeck.
Die vorgehängte hinterlüftete BIPV-Fassade nutzt PV-Module als Bekleidungselemente vor einer separaten Tragschicht. Diese Variante ist die häufigste, weil sie sich technisch und planungsrechtlich an die etablierte VHF-Bauweise anlehnt. Die Module werden in farbiger oder semitransparenter Ausführung verfügbar und können in nahezu jedes Fassadenraster integriert werden.
Die Pfosten-Riegel-Konstruktion mit PV-Glas ersetzt die Glasfüllungen einer klassischen Vorhangfassade durch photovoltaisch aktive Verbundgläser. Diese Variante kommt vor allem bei Bürohochhäusern in zentraler Lage zum Einsatz und erlaubt sehr hohe gestalterische Freiheiten, etwa bei den Färbungen, dem Transparenzgrad und der gerasterten Anordnung.
Die Sandwich- oder Paneel-BIPV ersetzt opake Brüstungs- oder Stützenbereiche durch PV-Sandwichelemente. Hier liegen die Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Sandwichlösung relativ niedrig, weil die ohnehin opake Fläche nur eine andere Funktionalität erhält.
Eine Süd-Fassade in Hannover erreicht je nach Verschattung und Modulwahl etwa 60 bis 70 Prozent des spezifischen Ertrags einer optimal ausgerichteten Aufdachanlage. Ost- und Westfassaden liegen bei 50 bis 60 Prozent. Diese reduzierten Erträge müssen gegen die eingesparten Fassadenkosten und gegen die langfristige Imagewirkung gerechnet werden, und das ist Kernaufgabe der Wirtschaftlichkeitsberechnung für Fassadenprojekte.
Bauphysikalisch verlangt eine BIPV-Fassade einen sauberen Nachweis der hinterlüfteten oder geschlossenen Konstruktion, eine Berücksichtigung der erhöhten Hinterlüftungstemperatur für die Modulleistung sowie einen Brandschutznachweis nach niedersächsischer Bauordnung. Insbesondere bei Hochhäusern mit Gebäudeklasse 5 sind die brandschutztechnischen Anforderungen an die Hinterlüftungszone und an die Modulrückseite differenziert zu betrachten. Wir bereiten diese Nachweise gemeinsam mit Statikern und Brandschutzplanern vor.
Sie erhalten eine BIPV-Variantenuntersuchung mit Ertragsprognose, Mehrkostenrechnung gegenüber konventionellen Fassadenvarianten, gestalterischen Optionen in zwei bis drei Materialitäten sowie einer ESG-Wirkung-Analyse. Begleitend erstellen wir eine erste Abstimmung mit der zuständigen Bauaufsicht, weil eine BIPV-Fassade in vielen Fällen als wesentliche Änderung im Sinne der LBauO Niedersachsen einzuordnen ist und ein paralleles Bauantragsverfahren erfordert. Die kommerziellen Optionen werden in einer Sensitivitätsrechnung über zwanzig Betriebsjahre dargestellt.
Vorläufige Potenzialeinschätzung. Keine technische Planung, kein verbindliches Angebot und keine Rechtsberatung.
Gebäudeintegrierte PV-Module als Fassadenelemente, produktive Architektur statt klassischer Verkleidung.